►► Wien, 17.-19.August 2010 ►►

Urlaub? 

Schon bevor mein Urlaub am 1.August begann, wusste ich, dass ich UNBEDINGT verreisen wollen würde (WEG, WEG, WEG!!!) - wohin war bis dahin allerdings vollkommen ungewiss. Zur Auswahl standen diverse Städtetrips (Berlin, Edinburgh, Rom), eine quasi Nostalgie-Reise mit meinem Vater an die Nordsee, dahin wo wir früher immer hingefahren sind oder eben ein kurzer Trip via Blindbooking. Da mein Vater absagte und ich mich partout nicht entscheiden konnte und zudem meine Finanzen jonglierte ohne zu wissen ob ichs mir überhaupt wirklich leisten kann Urlaub zu machen, buchte ich am 7.August ganz spontan auf germanwings.de eine Blindbooking-Reise (Thema Party übrigens, allerdings weniger wegen des Wunsches ausgiebig zu feiern, sondern wegen der zur Auswahl stehenden Städte). Nach Abschluss der Buchung leuchtete VIE auf dem Bildschirm -> Vienna -> Wien. Und ich freute mich, da ich Österreich liebe und immer schon mal nach Wien wollte. So sollte es also 10 Tage später losgehen, ganz alleine, in die Stadt der Kaffeehäuser und der klassischen Musik (beides versäumte ich dort übrigens :/). Via http://de.famoushostels.com fand ich das Hostel Ruthensteiner  und da mir die Homepage sehr gut gefiel buchte ich sofort ein Bett im 8-Bett-Zimmer. Und so freute ich mich auf mein kleines Abenteuer, auch wenn ich ein wenig nervös war wegen des Alleinereisens... 

Auf gehts

3Uhr, der Wecker schellt zum ersten Mal. Wie schön, dass ich erst gegen 1Uhr schlafen konnte... ich stelle die "Schlummerfunktion" an. Als ich wieder aufwache ist es bereits kurz vor 4 - das zweite Klingeln muss ich überhört haben. Na toll - jetzt auch noch hetzen. Ich springe unter die Dusche, mache mich startklar, stopfe die letzten Sachen in meinen Rucksack. Draußen regnet es in Strömen und ich freue mich, dass für Wien besseres Wetter angesagt ist. Um 5Uhr kommen Papa und Silvia mich abholen und auf gehts zum Köln-Bonner Flughafen. Am Self-Check-In-Gerät checke ich ein, danach gehts auch recht schnell durch die Sicherheitskontrolle... natürlich piept das Scheißgerät bei mir und ich werde von einer schlechtgelaunten Dame herangewunken - ich hasse die Sicherheitskontrolle! Wenigstens muss ich bis zum Boarding nicht mehr mehr lange warten - und dann gehts auch schon los. Das Flugzeug beginnt Richtung Startbahn zu rollen und ich kralle mich in meinen Sitz; Fensterplatz. Als das Flugzeug beschleunigt und schließlich abhebt, stehe ich kurz vor dem Herzinfakt und habe diesmal niemanden, dem ich die Hand halb zerquetschen kann. Das Flugzeug steigt höher, hinein in die Wolkendecke - für mindestens eine halbe Stunde kann man nichts vor dem Fenster sehen außer weiße Wolken. Ich höre Musik und singe im Kopf mit, damit ich gar nicht erst auf die Idee komme weiter über Flugzeugabstürze nachzudenken, als es immer wieder zu Turbulenzen kommt. Ich bin zutiefst erleichtert als wir endlich in den Landeanflug gehen und ich einen ersten Blick auf Wien erhaschen kann - so groß hätte ich mir das gar nicht vorgestellt. Letzte Turbulenzen und dann sind wir endlich am Boden, unversehrt, Gott sei Dank. 
Tag 1

Am Wiener Flughafen freute ich mich schon darauf, dass ich das Gebäude schnell verlassen kann, da ich ja ohne Gepäck reiste... da ich aber noch einen Stadtplan, sowie ein 72-Stunden-Ticket und ein Bustransferticket nach Wien  selbst (der Flughafen liegt ein ganzes Stück außerhalb) brauchte, musste ich allerdings am überfüllten Info-Schalter über eine halbe Stunde warten. Zum Glück erwischte ich noch knapp den nächsten Bus nach Wien und stieg nach circa 40 Minuten Transfer am Westbahnhof aus - meine "Homestation" in diesem Urlaub, da das Hostel nur 3 Gehminuten entfernt liegt. Da es noch sehr früh war, beschloss ich zunächst die Innenstadt zu erkunden, bevor ich ins Hostel einchecken wollte und fuhr deshalb zum Stephansplatz, an dem sich der Stephansdom befindet - eine der wichtigsten Kirchen Wiens. 

Der Anblick des Doms brachte mich direkt zum Staunen und überforderte mich, da er zu groß war um ein anständiges Foto von ihm zu schießen ;-) Was mir dort zum ersten Mal auf- und gefiel war das große bedruckte Tuch das vor dem Dom hing - es zeigte die Fassade des Doms, da sich an der richtigen Fassade dahinter ein Baugerüst befand. So wird es in Wien an allen populären Gebäuden gehandhabt; find ich gut! Auch innen war der Dom beeindruckend und, nachdem ich - wie immer, wenn ich in einer neuen Stadt eine Kirche betrete - eine Kerze für meinen Opa angezündet hatte, nahm ich die Gelegenheit wahr mir Wien von oben anzugucken. Mit dem Aufzug ging es auf einen der Kirchtürme, wo sich eine Aussichtsplattform befand, von der aus man einen großartigen Ausblick über Wien hatte. Von dort aus konnte ich bereits den Prater und den Donauturm erkennen. 

Nach dem Besuch des St.Stephan Doms irrte ich zunächst ein bisschen umher, fand so aber einen Supermarkt, indem ich mich mit Getränken und Hygieneartikeln eindecken konnte (darf man ja im Handgepäck alles nicht mit sich herumschleppen -.-). Außerdem entdeckte ich St. Peter, eine kleine, aber sehr schöne Kirche und auf der Einkaufsstraße, die ich danach erreichte, die berühmte Pestsäule. Nun konnte ich mich auch endlich wieder auf meinem Stadtplan orientieren und zielgerichtet weiterlaufen. Über die Kärntener Straße, die Haupteinkaufsstraße in der Wiener Innenstadt gelangte ich zur Staatsoper, zur Hofburg und zum Albertina-Museum. Weiter ging es vorbei an der Secession (einem modernen Kunstmuseum, das von außen aber antik wirkt) zum Naschmarkt, der seinen Namen wirklich verdient hat. Dort gab es neben frischem Gemüse, Fleisch und Fisch auch jede Menge türkische/arabische/mediterrane Spezialitäten, Oliven, Käse, Antipasti, sowie Wein, Gewürze, Tee uvm. ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall ;-) Anschließend pilgerte ich weiter zur Karlskirche, welche als schönste Kirche Wiens gilt - was ich im Nachhinein uneingeschränkt bestätigen kann. Sie liegt in einem großen Park und ist sowohl von außen als auch von innen beeindruckend schön. Innen fällt vor allem die wunderschöne bemalte Kuppeldecke auf, die man erst so richtig bewundern kann, wenn man mit dem Panoramaaufzug auf die Aussichtsplattform fährt und dann auch noch den Mut hat die wackeligen Stufen bis ganz nach oben hochzusteigen - ich musste meine Höhenangst überwinden, habe es aber schließlich bis ganz nach oben geschafft; auch wenn ich zitternd wieder herunter kam ;-) 

Als ich aus der Karlskirche kam, ließ ich mich am Springbrunnen davor nieder und studierte die Stadtkarte und den Ubahn-Plan, wobei mir eine Haltestelle ins Auge fiel: Schottentor. Ich schmunzelte, dachte an den Schotten und fuhr schnurstracks dorthin. Viel zu sehen gab es dort nicht, aber ich machte einen kleinen Abstecher zur Wiener Börse und in die Schottenkirche, die sich am Schottenring bzw. in der Schottengasse befinden. 

Danach fuhr ich ins Hostel, checkte ein, bezog mein Bett, schmiss alles was ich nicht brauchte in meinen Spint und machte mich wieder vom Acker - zunächst um etwas Essbares aufzutreiben, ich hatte seit meinem Butterbrot um 5Uhr morgens nichts mehr gegessen. Ich lief zum Westbahnhof und schaute mich in der Umgebung um, fand neben McDonalds und KKC allerdings nur teurere Restaurants. Also lief ich ein Stück weiter, ein bisschen ab vom Touristrom, bog in eine Seitenstraße und entdeckte ein Café. Dort aß ich günstige und wirklich hervorragende Penne mit Tomaten und Basilikumpesto, zu denen ein großer Beilagensalat serviert wurde - für 7€.

Gestärkt fuhr ich zurück in die Innenstadt und schaute mir das Parlament (das meiner Meinung nach das schönste Gebäude Wiens ist), den Justizpalast, das Rathaus und das Volkstheater an. Am Parlament bestätigte sich zum ersten (aber nicht zum letzten) Mal das Klischee von den fotografierenden Japanern - gerade als ich vor dem Gebäude stand und es betrachtete, fragte mich eine japanische Familie ob ich sie fotografieren könnte. Als "Gegenleistung" machten sie dann auch ein Foto von mir (so lief es dann auch an anderen Sehenswürdigkeiten vor denen ich fotografiert wurde ;-)). 

Mein vorletzter "Programmpunkt" für den ersten Tag waren das Museumsquartier, das Kunst- und Naturhistorische Museum, sowie die Nationalbibliothek und der Heldenplatz. 
Anschließend ging es (endlich ^^) zum Prater, auf den ich mich schon zu Hause gefreut hatte. 

Der Prater, genauer gesagt der Wurstelprater (der ganze Prater ist nämlich eine riesengroße Parkanlage), ist ein öffentlicher/kostenloser Freizeitpark (man zahlt keinen Eintritt, sondern für die Fahrgeschäfte, wenn man fahren möchte). Dort befindet sich u.a. das älteste Riesenrad der Welt, sowie die weltweit erste Geisterbahn. Aber auch viele moderne und teilweise extreme Attraktionen findet man dort - für jeden Kirmes- und/oder Freizeitparkfan (wie mich ^^) ein absolutes Muss! 

Nach dem langen Praterbesuch (denn der Freizeitpark ist riesig) ging es dann schnurstracks zurück zum Hostel, wo ich mir an der Bar mein erstes Österreicheichisches Bier - ein Ottakringer - genehmigte und einen Engländer, einen Waliser und eine Nord-Irin (mit der ich das Zimmer und sogar das Bett, ein Hochbett :P, teilte) kennen lernte.

Gegen 23:00Uhr zog ich mich zurück, schrieb ein paar der Karten, die ich am Prater erworben hatte, und genehmigte mir dann endlich ein paar Stunden Schlaf. 
Tag 2

Ich hatte erstaunlich gut geschlafen, auch wenn ich immer wieder zwischendurch wach wurde (wenn man mit 7 Leuten das Zimmer teilt, ist das aber auch absehbar), als ich um circa 8Uhr aufstand. Ich sprang unter die Dusche (kostenloses, warmes Duschen solange man will ist einer der vielen dicken Pluspunkte im Hostel Ruthensteiner) und relaxte danach noch ein wenig im Zimmer, schrieb die restlichen Karten fertig und brach gegen 9Uhr auf. Meine heutigen Ziele waren die beiden Schlösser: Belvedere und Schönbrunn. Zunächst fuhr ich zum etwas kleineren Belvedere, welches sich in das Untere und das Obere Belvedere aufteilt, die durch einen schönen Schlosspark verbunden sind - steht man im Park und schaut zum unteren Belvedere, so assoziiert man schnell mit Versailles; ich finde zumindest es ähnelt sich sehr (abgesehen davon, dass Versailles deutlich größer und das Schloss viel pompöser ist). Nachdem ich den Schlosspark verlassen hatte, knurrte mir der Magen und ich beschloss zum Stadtpark zu fahren, etwas essbares aufzutreiben und dort eine kurze Pause einzulegen. Auf dem Weg dorthin kam ich an einem Bäcker vorbei und kaufte eine Käsestange und ein Schokocroissant, was bis Nachmittags als Mahlzeit reichte. In der Nähe eines Kurzentrums fand ich an einem kleinen Bach eine schöne Stelle zum Picknicken. Anschließend ging es weiter zum Schloss Schönbrunn - dem Sissi Schloss. Das Schloss an sich sprach mich persönlich nicht wirklich an, aber von innen soll es lohnenswert sein - angesichts der endloslangen Schlange, dem Eintrittspreis und meinem eher geringen Interesse an Sissi und Co. verzichtete ich aber und lief stattdessen durch den Schlosspark in Richtung Zoo - dachte ich zumindest. Als ich plötzlich ewig weit eine Hauptstraße entlanglief, die laut Schilder gleich zur Autobahn werden würde, kamen mir erste Zweifel. Als mein Fußweg dann zu einem kleinen, steil ansteigenden Pfad der in ein Waldstück führt wurde, wusste ich, dass ich im Schlosspark doch eine Abzweigung eher hätte nehmen müssen. Gott sei Dank führte der Trampelpfad an einen der anderen Eingänge in den Schlosspark, an dem gerade auch die Schönbrunner Bimmelbahn hielt, in die ich, erschöpft nach dem langen Fußmarsch, einstieg. Die Bahn brachte mich zum Zoo, in dem ich circa 2 Stunden verweilte. Anschließend fuhr ich erneut zum Naschmarkt, da ich mich entschlossen hatte mir heute selbst mein Mittag-/Abendessen zuzubereiten. Ich kaufte Fladenbrot, Falafel, Chumos, Oliven, Tomaten, Minigurken und Antipasti und wurde dabei fast übers Ohr gehauen - diesmal konnte ich aber zum Glück nein sagen; fast 40€ waren mir dann aber tatsächlich ein bisschen zu viel. Nach dem Einkauf fuhr ich ins Hostel, um mir mein extrem schmackhaftes Mahl zuzubereiten. Dabei lernte ich eine Kanadierin kennen, sowie im Laufe des ausgiebigen Abendessens eine junge Dame aus San Francisco, zwei Australierinnen und ein spanisches Pärchen. Wir unterhielten uns lange, sodass ich erst gegen 18Uhr wieder aufbrach. Diesmal ging es Richtung Schwedenplatz, von wo aus ich mit der MS Vienna eine Abendrundfahrt auf der Donau machen wollte. Die Schifffahrt war eher langweilig, da es entlang des Donaukanals wenig zu sehen gab und erst, als wir die Schleuse zur "echten" Donau passiert hatten, die Sonne unterging und wir wieder Richtung Wiener Innenstadt fuhren, fanden sich schöne Fotomotive. Immerhin war die Fahrt eine gute Gelegenheit die Füße ein wenig zu schonen, da ich - außer beim Essen - so gut wie nie gesessen hatte. Um 21:30Uhr legten wir wieder am Schwedenplatz an und obwohl ich ziemlich müde war, entschloss ich mich meinen (schon) letzten Abend auszukosten und fuhr deshalb noch mal zum großartigen Prater, um mir den Freizeitpark "bei Nacht" anzusehen. Nach einer Runde Breakdance war mir schwindelig und so fuhr ich gegen 23:00Uhr zurück ins Hostel, wo ich auch direkt ins Bett fiel und einschlief. 
Tag 3

Am letzten Tag wachte ich sehr früh auf und tapste so leise wie möglich durchs Zimmer - alle anderen (außer die Nord-Irin, die war schon gegen 6Uhr verschwunden) schliefen noch und ich wollte niemanden wecken. Frisch geduscht versuchte ich geräuscharm meinen Rucksack zu packen und erstaunlicherweise passte auf Anhieb alles genau so wie ich es mir vorgestellt hatte - zwar platzte der Rucksack fast, aaaber ich bekam ihn zu ;-) Um kurz nach 8 checkte ich aus und da ich entschlossen hatte den letzten Tag so relaxed wie möglich zu verbringen, damit ich erholt nach Hause fahren konnte, fuhr ich zunächst zur alten Donau, in der Hoffnung dort ein schönes Ufer zu finden. Statt des erhofften "Strandes" fand ich allerdings nur einen Yachtclub und fuhr weiter. Ich besuchte das UNO City Center, musste allerdings zunächst durch die Sicherheitskontrolle. Da die nächste Führung allerdings erst in 2 Stunden stattfinden würde und man alleine nicht weiter gehen durfte, verschwand ich ähnlich schnell wie ich gekommen war. Zu Fuß ging es weiter Richtung Donaupark und Donauturm. Im Donaupark angekommen wunderte ich mich über die winzigen(!) Schienen vor meinen Füßen - es sah aus als wäre ich in einem Kobolddorf gelandet und ich fragte mich was für ein Minizug hier wohl fahren würde. Als ich weiter ging Richtung Donauturm, bimmelte es hinter mir und da sah ich den Zug: eine süße, winzige Bimmelbahn, die über die Mini-Schienen fuhr. Ich fand sie richtig putzig ^^ Statt mit der Bimmelbahn zu fahren, entschied ich mich mein Geld stattdessen für den Besuch des Donauturms inkl. einer Eisschokolade im Donauturm-Café auszugeben, was sich auf jeden Fall lohnte, da man vom Turm aus eine traumhafte Sicht über Wien hat und alleine schon der Highspeed-Aufzug mit dem man hoch und wieder runter fährt eine kleine Attraktion für sich ist. Ich blieb lange oben (die 5€ Eintritt sollen sich ja auch lohnen) und genoss den Ausblick, der immer besser wurde, da der Himmel immer weiter aufklarte - es sollte ein richtig schöner Sommertag in Wien werden, auch wenn es oben auf der Aussichtsplattform Dank starkem Wind ziemlich kalt war. Wieder unten angekommen überkam mich die Faulheit und ich setzte mich in den Donaupark auf eine Parkbank, las ein wenig in dem Buch, das Ben mir für die Reise geschenkt hatte und trank dabei pfandfreie Dosen-Cola ;-) Anschließend fuhr ich zum Wiener Fußballstadion und besuchte das Einkaufscenter, welches in unmittelbarer Nähe lag. Dort kaufte ich MIR ein schönes Souvenir: einen neuen Ring. Anschließend fuhr ich zur Donauinsel, wo ich erstaunlicherweise eine wirklich tolle Promenade fand mit dutzenden (Cocktail)Bars, Cafés und Restaurants. Ich aß zu Mittag, lief die beiden Promenaden, die durch eine Brücke über den Donaukanal miteinander verbunden waren, hoch und runter und setzte mich anschließend wieder für einige Zeit faul in die Sonne, um Kindern beim Hüpfen auf dem größten schwimmenden Trampolin der Welt zuzuschauen. Anschließend fuhr ich wieder in die Innenstadt, besuchte das (enttäuschende) Regierungsgebäude und schlenderte über die Kärntener Straße auf der Suche nach Souvenirs. Für meine Mutter erwarb ich eine Tasse mit "I ♥ Vienna" Schriftzug, für meinen einen Flaschenöffner. Für alle anderen fand ich nichts Passendes, man möge mir verzeihen. Nach meiner kleinen Shoppingtour hatte ich eigentlich geplant mir noch eine typische Wiener Torte in einem der vielen Kaffeehäuse zu gönnen - allerdings war ich vom Mittagessen noch viel zu satt und so fiel diese Mahlzeit leider aus. Stattdessen ging es zurück zur Donau-Promenade, wo ich auf einer Parkbank einschlief und mir einen leichten Sonnenbrand einfing. Gegen halb 6 brach ich auf Richtung Westbahnhof, um den Flughafen-Bus zu nehmen, mit dem ich natürlich erst mal in den Stau geriet - wie gut, dass ich früh genug losgefahren war. Am Flughafen wühlte mich meine Flugangst erneut auf und ich war froh, als es endlich im Bus Richtung Maschine ging. Als quasi krönenden Abschluss konnte ich dann noch einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten bevor es zurück ging nach Köln - diesmal zum Glück mit deutlich weniger Turbulenzen als beim Hinflug. 
Resumee

In Bezug auf meine kurze Städtereise gibt es gleich 4 Punkte, die ich resümieren möchte: 
zum einen das Blindbooking, zum anderen das Hostel Ruthensteiner, natürlich Wien an sich und zum Schluss noch das Alleinereisen. 

1.) Blindbooking 
Nun schon zum zweiten Mal ging es via Blindbooking in die "Ferne" - nun ja, wirklich fern waren weder Zürich noch Wien, aber wenigstens lohnte es sich diesmal das Flugzeug zu betreten, da die Flugzeit schon in etwa 1h betrug und nicht wie nach Zürich nicht mal eine Halbe ;-) 
Die Buchung erfolgte wieder über die Germanwings-Webseite, wobei mir diesmal sauer aufstieß, dass ich mit Kreditkarte zahlen musste, da das Zahlen per Überweisung nur möglich ist, wenn man mindestens 14 Tage vorher bucht. Wer spontan sein möchte, sollte sich also vorher eine Kreditkarte organisieren. (Anbei zum Thema Kreditkarte: Ich habe eine Visakarte der Comdirect-Bank und die erwies sich diesmal wirklich als nützlich - zum einen konnte ich den Flug so buchen und zum anderen in Wien fast überall kostenlos Bargeld abheben - ich war also nicht darauf angewiesen ständig mein ganzes Taschengeld mit mir rumzuschleppen! Die Anschaffung einer solchen Karte ist also wirklich eine Überlegung wert.) 

Der Flug an sich war ähnlich wie der nach Zürich: zweckmäßig, aber in Ordnung. Da die Flüge beide verhältnismäßig kurz waren ließen sich sowohl die engen Sitze als auch die fehlenden Gratis-Getränke ertragen ;-) Was mir positiv auffiel waren die günstigen Preise im Flugzeug: Cola für 1,50€ - da zahl man am Flughafen das Doppelte! 

Mit dem Angebot an Städten und mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden, wobei ich zwei Städte ausschloss: Sarajevo und Belgrad. Alleine wollte ich dort nicht hin. 
Bei 50€ (inkl. der beiden ausgeschlossenen Städte, dafür aber ohne Gepäck (aber mit Rucksack reist es sich echt okay für 3 Tage)) kann man, denke ich, nicht viel verkehrt machen! Ich bin mir sicher, dass das nicht mein letzter Blindbooking-Kurztrip war! 

2.) Hostel Ruthensteiner
Das Hostel Ruthensteiner liegt zentral in der Nähe des Westbahnhofs, von dem aus man innerhalb von 5 Minuten in die Innenstadt gelangt und an dem auch der Airport-Shuttle-Bus hält. Es verfügt über mehrere 8-Bett-Schlafräume, 6-4- und 2-Bett-Zimmer, sowie wenige Einzelzimmer. Neben den Schlafzimmern gibt es eine Bar, mehrere Aufenthaltsräume, ein Internetcafé, eine Küche, die Möglichkeit zum Wäschewaschen und zwei Höfe. Pro Zimmer gibt es eine Bad mit Dusche und eines mit WC. Die Duschen sind kostenlos und können beliebig lange genutzt werden. Bettwäsche kann man für einmalig 3€ leihen. Im 8-Bett-Schlafraum stehen 4 Hochbetten, ein Tisch und 6 mehrere Hocker. Außerdem sind kostenlose Spints für jeden Gast verfügbar. 
Die Atmosphäre im Hostel ist gleichermaßen locker als auch familär - ganz wie man will. Die Leute kommen von überall her und sind größtenteils sehr kommunikativ. Abends kann man an der Bar sitzen oder bis 22Uhr im Hof. Man kann in der Küche sein eigenes Essen zubereiten oder am gemeinsamen Frühstück teilnehmen. Oder man zieht sich einfach aufs Zimmer zurück, wenn man seine Ruhe will (ja, auch im 8-Bett-Zimmer war es angenehm ruhig). 

Ich habe für das Bett im 8-Bett-Zimmer 16€/Nacht bezahlt. 
Ich würde das Hostel uneingeschränkt weiterempfehlen! 

3.) Wien
Ich mache es kurz: Wien ist wundervoll! 
In meiner persönlichen Liste rangiert es mit Edinburgh und Rom um den ersten Platz der schönsten europäischen Hauptstädte! 

4.) Alleinereisen
Was hatte ich vor der Abreise Angst. Alleine reisen, ganz alleine,... ich könnte mich langweilen. Oder einsam fühlen. Oder mir könnte was passieren. Mit 7 fremden Menschen ein Zimmer teilen. Was wenn ich mich ganz alleine weit weg von allem gar nicht besser fühle sondern nur noch schlechter? Doch alle meine Sorgen verflogen als ich am Flughafen war und das zu recht. 

Alleine zu verreisen war die beste Idee die ich seit langem hatte. Selten habe ich mich so gut gefühlt - nicht, dass ich Gesellschaft nicht mehr schätzen würde, aber im Urlaub hat es echt seine Vorteile alleine zu sein: zum einen ist man viel schneller unterwegs als zu Zweit, man muss keine Kompromisse schließen oder sich absprechen was man wann sehen will, wo man wie lange bleibt, wofür Geld ausgegeben wird und wofür nicht etc. Man ist voll und ganz flexibel und kann ganz spontan genau dorthin gehen wohin man gerade will, kann sich auch einfach auf eine Parkbank setzen und lesen oder stundenlang die Aussicht auf dem Donauturm genießen. Zum anderen reist man voll und ganz sorgenfrei. Man muss in keinerlei Hinsicht Rücksicht nehmen. Hat der andere gerade Hunger? Braucht er eine Pause? Langweilt er sich? 

Davon ab, dass es mir gut tat vollkommen egoistisch durch Wien zu stampfen, war es auch der Abstand zum Alltag, der befreite, durchatmen ließ und dazu führte, dass ich durch und durch entspannt zurück kam. In Wien dachte ich keine Sekunde an die bevorstehende Ausbildung, an irgendwelche Sorgen, die ich hier zu Hause habe, an nichts - ich habe einfach nur genossen.

Natürlich gibt es auch Nachteile am Alleinereisen: viele Dinge sind zu Zweit oder in der Gruppe natürlich amüsanter... im Prater hätte man gemeinsam Karussell fahren können, die Schifffahrt wäre nicht so langweilig gewesen und man wäre auch nicht so doof angeguckt worden, wenn man alleine irgendwo saß um Mittag zu essen oder was zu trinken. 

Alles in allem bin ich aber froh, diesen Schritt gegangen zu sein, denn es war eine wichtige und wirklich schöne Erfahrung für mich, die ich nicht missen, sondern vielmehr noch bald wiederholen möchte! :-) Pro Alleinereisen! 

Insgesamt, ihr lest es raus, ein wirklich toller Kurzurlaub! 
... recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit ;-)